Die Schatten von Keranak

Kapitel 9: Gegen den Wind des Wahnsinns

Dreizehnter Tag im Monat Nebeling des silbernen Jahres 1214 nach dem Götterfall

Nach der denkwürdigen Begegnung mit Lady Valeria von Geissler ließen die Gesandten sich Ruhegemächer geben und zogen sich zur Nachtruhe zurück. Am nächsten Morgen klagte die Elfin Finn erneut über leichte Schwindelanfälle, die sich nach einiger Zeit aber wieder legten. Haldir beschloss sich den Schild der Ordnung ein wenig genauer anzuschauen. Sobald er seinen Arm durch die erste der ledernen Schlaufen an der Innenseite des Schilde schob fühlte er ein kribbelndes Gefühl, das sich schon bald zu einer schmerzhaften Intensität steigerte.

Gleichzeitig begann die Umgebung um ihn herum zu verschwimmen und sich wie in einem Wirbel zu einem vielfarbigen Strudel zu verdrehen. Grelle Lichtblitze blendeten ihn. Als sich die Blitze gelegt hatten, sah er, dass anstelle von Lord Lannatar nun eine runzlige alte Frau mit grimmigen Blick vor ihm stand. im nächsten Moment verschwamm auch diese Gestalt vor seinen Augen und stattdessen blickte er auf ein großes Fenster aus flüssigem Glas. Durch das wabernde Fenster erblickte er nach einiger Zeit eine mächtige schwebende Krone. In diesem Moment durchfuhr ein schneidender Schmerz seinen Arm.

Haldir biss die Zähne zusammen und steckte seinen Arm durch drei weitere Schlaufen des Schildes. Die schwebende Krone verschwand und nach einem grellen Lichtblitz fand er sich in einem dichten, dunklen Wald. Im Laub zu seinen Füßen lag ein silberner Ring, der ein Gefühl der Vertrautheit ausstrahlte. Als er sich bückte, um den Ring aufzuheben, verschmolz diesem mit dem Boden, der nun statt mit Laub mit einer dicken Lehmschicht bedeckt war. Als Haldir wieder aufblickte, sah er sich einer übermenschengroßen Gestalt gegenüber, deren muskulöser Körper mit einer Vielzahl von Narben und Nähten übersät war. Die angsteinflößende Gestalt blickte den Elfen fragend an und setzte gerade an, etwas zu sagen, als ein tiefschneidender Schmerz Haldir durchfuhr, der ihn dazu brachte, seinen Arm aus den Schlingen des Schildes zu ziehen, bevor er bewusstlos zu Boden sank.

Zitternd richtete sich Haldir wieder auf. Er fühlte sich, als hätten zwei Dutzend Dolche seinen Arm bis zum Knochen durchstochen. Auch Agonifex ergriff den Schild und hatte ähnliche Visionen, mit Ausnahme des Rings. Auch er wurde von Schmerzen ohnmächtig und musste den Schild loslassen.

Während sich Haldir zur Erholung hinlegte, machte sich Lannatar auf, in der Bibliothek des verstorbenen Festungsmagiers nach Informationen über Elementarmagie zu suchen. Finn und Agonifex statteten dem Markthändler einen Besuch ab, bei dem der Festungsmagier die Kiste gekauft hatte. Finn gab sich als Gehilfin des Magiers aus und erkundigte sich beim Händler nach der Herkunft des Kästchens. Nach einigen Verhandlungen in deren Verlauf sie sich auch einen tarnenden Schleier aus Fern Vandimir zulegte, erfuhr sie vom Händler, dass er das Kästchen einer Abenteurergruppe abgekauft hatte, die es aus einer Höhle im Riesenjochgebirge geborgen hätten. Er wusste noch, dass sie ihm von einem markanten Berg in Form eines abgebrochenen Magierhuts in der Nähe der Höhle berichtet hatten. Nachdem Finn sich nicht zum Kauf einer Pelzweste aus dem Fell eines Schneeleopards aus dem Nordreich durchringen konnte, verließen Agonifex und sie den Markt.

In der Zwischenzeit wollte Lord Lannatar den irrsinnigen Kutscher im Kerker der Festung befragen. Als er dort ankam, fand er den Kutscher jedoch erhängt in der Zelle und das Gespräch mit dem tumben Kerkermeister brachte ihm ebenfalls keine Erkenntnisse. Da Agonifex mit seinem durchdringenden Blick festgestellt hatte, dass die Fürstin von Geissler von einem bösartigen Auraschatten umgeben war, beschlossen die Helden, dass der Priester von Karis-Mar mit seiner klerikalen Macht eine Austreibung bei Lady Valeria versuchen sollte. Sie trafen die Lady dabei an, wie sie gerade mit ihren Schreibern ein neues Gesetz verabschiedete, nach welchem alle Männer des Fürstentums in Zukunft am Anfang jeder Woche eine Goldmünze als Steuer zu entrichten hätten.

Als die Schreiber sich zurückgezogen hatten, ergriff Lannatar seine Tante und Agonifex wirkte seinen Austreibungszauber. Dieser schien jedoch keine Wirkung zu haben, da Lady Valeria lediglich lauthals nach ihren Wachen schrie. Als diese heran eilten, flüchteten die Helden in ihre Gemächer um ihre Ausrüstung zu sichern und zum Riesenjoch-Gebirge aufzubrechen, da sie dort die Ursache des Wahnsinns vermuteten. Im Zimmer von Agonifex kam es zu einem Aufeinandertreffen mit zwei Wachen, die von dem Priester bezaubert wurden, so dass alle flüchten konnten.

Unter der Führung der Kundschafterin Finn reisten die Abenteurer durch den Wald östlich von Geisselheim. Am dritten Tag wurden sie von drei Luftelementarwesen umkreist, die nach einiger Zeit wieder abzogen. Kurz darauf sahen sie in ihrer Nähe eine alte Hütte, die ihnen zuvor nicht aufgefallen war. Drinnen trafen sie an einer rauchigen Feuerstelle auf die alte Hexe Aeshma. Haldir, Agonifex und Lannatar erkannten in ihr die alte Frau aus der Vision des Schildes der Ordnung.

Die Sumpfhexe Aeshma war offensichtlich nicht erfreut darüber, mit den Abenteurern sprechen zu müssen. Sie sei jedoch von mächtigen Freunden der Abenteurer dazu überredet worden sich mit ihnen zu treffen. Sie sagte, dass der Name ihres Bundes, Naar‘Dramûhr, in einer alten Sprache „Feinde der Dramûhr“ bedeute, dass es jedoch im Ur-Elfischen noch einen anderen gebe, den wahren Namen. Die alte Sumpfhexe warnte die Helden, ihre Gegner, die Faindramûhr, seien ein noch mächtigerer Bund, der sich selbst als Weltenbeherrscher sähe. Auch sie hätten noch einen wahren Namen, dessen Kenntnis Macht aber auch unbeschreibliche Gefahren bergen würde. Dieser Bund hätte sich später den Namen Dramûhr gegeben, der „Drachen-Hochlords“ bedeute.

Schließlich wies sie die Gruppe noch darauf hin, dass das Portal welches sie mit der Tafel von Dapi öffnen müssten, um an die Krone der Könige zu gelangen, ganz in der Nähe sei. Dann gab Aeshma ihnen zu verstehen, dass das Gespräch beendet sei und die Abenteurer zogen weiter.

Nach einiger Zeit kamen sie zu einem Hügel in den eine doppelte Flügeltür führte. Über der Tür war ein Schild mit der Aufschrift „Hort des Wissens und der Forschung“ angebracht.

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Knochenmann

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