Die Schatten von Keranak

Kapitel 1: Die Entführung von Lady Silvana

Dreissigster Tag im Monat Branding des silbernen Jahres 1214 nach dem Götterfall

Nach der Begegnung mit Ningaubel brachen die Helden zu ihrer Reise ins Unterreich Dul‘Urich auf und gegen Abend kamen sie zum Gasthaus am Henkersbaum. Während ihrer Abendmahlzeit im Schankraum stürzte Geral, ein Stallbursche von Burg Starkfels, in das Gasthaus. Er berichtete von der Entführung von Lady Silvana, der Tochter von Freiherr Arrak Lurender, einem Verbündeten des alten Lord Starkfels. Lady Silvana sollte in Kürze Lord Fredick von Eichenspahn heiraten und dadurch die Spannungen zwischen den verfeindeten Familien lösen. Geral schilderte, wie er vor zwei Tagen zufällig Zeuge der Entführung wurde, als Silvana bei ihrem morgendlichen Ausritt von grässlichen schuppigen Monstern überwältigt wurde. Geral folgte den Entführern und erfuhr so, dass die junge Adlige in eine der Erdfestungen verschleppt wurde.

Da Burg Starkfels und auch die Festung Lurender fast zwei Tagesritte entfernt lagen, beschlossen die Helden sich sofort von Geral zu den Erdfestungen führen zu lassen. Die Erdfestungen sind in die westlichen Ausläufer des Schildwallgebirges getriebene Kasernen, die nach der Verbannung der Krone der Herrschaft von einem geheimnisvollen Erdmagier von der Insel Felsspitze aus der Abtei Stornhall mit seinen mächtigen Zaubern errichtet wurden. Jedoch wurde der Erdmagier vor der Fertigstellung der Festungen nach Stornhall zurückberufen. Nun existieren seit fast zehn Jahren die nicht vollendeten Erdfestungen am Fernweg zwischen den Städten Waylords Statt und Rinsik. Sie wurden nie bemannt, nicht zuletzt deshalb weil Lady Keranak nicht genügend Soldaten dafür erübrigen konnte.

Geleitet von Geral und unter der Führung von Lord Jamir erreichten die Helden schon bald die Erdfestung, die als Kerker für Lady Silvana diente. Da der Eingang offensichtlich nicht überwacht wurde, schlichen sie in den Eingangsstollen. Nach einigen Metern trafen sie auf einen Goblinwachtposten, der auf einem Stuhl sitzend schlief. Mit einem gefährlichen Blitzen in den Augen trat Agonifex an den Goblin heran und spaltete ihn mit einem Hieb seiner Großaxt. Der Widerhall des Schlages breitete sich darauf in den Gängen der Erdfestung aus.

Durch dieses „sorgsame“ Vorgehen wurde ein schleimiger Echsenmensch angelockt, der die Eindringlinge voller Kummer über das Hinscheiden seines Kumpels mit einem Speer angriff. Nach kurzem Kampf war auch dieser Gegner besiegt und die Erkundung der verlassenen Festung konnte fortgesetzt werden.

In einer riesigen Halle, die offensichtlich für das Training der Soldaten vorgesehen war, entdeckten sie eine gefesselte Frau, die von einem großen Eulenbären bewacht wurde. Der Eulenbär attackierte sofort und verwickelte die Helden in einen bissigen Kampf. Als er schließlich von einer Waffe getroffen wurde, löste er sich zusammen mit der gefesselten Frau in Luft auf. Nach der Auflösung dieser Illusion war ein lautes Lachen aus einer Beobachtungsritze in einer Wand zu hören und das Geräusch von sich entfernenden Schritten erklang.

In der Küche der Erdfestung trafen die Abenteurer auf den versklavten Goblinkoch, der ihnen eine Geheimtür zu den Gemächern des Entführers von Lady Silvana zeigte. Dort trafen sie auf Ollver von Homark. Der Magier aus einer Stadt in Fern Vandimir erwartete die Helden in Anwesenheit eines realen Eulenbären und der gefesselten Lady Silvana. Als der Eulenbär zum Angriff überging ließ Ollver Dutzende von Händen aus dem Erdboden entwachsen, welche mehrere Helden in eisernem Griff festhielten. Unter Führung von Lord Jamir wurde der Bär niedergerungen und Lady Silvana befreit. Der Magier entkam jedoch durch eine weitere Geheimtür und sein Rückzug wurde von drei Echsenmenschen gedeckt. Durch diese Ablenkung gelang es Ollver aus der Erdfestung zu flüchten und mit dem Pferd von Haldir zu entkommen.

In den Aufzeichnungen Ollvers erfuhren die Helden, dass er vom Stamm der Eulenmenschen den Auftrag bekommen hatte, Lady Silvana zu entführen um die Verbindung zwischen den Häusern Lurender und Eichenspahn zu verhindern und Chaos für einen bevorstehenden Angriff der Eulenmenschen zu sähen. Ollver hatte jedoch eigene Pläne und wollte die entführte Adlige nutzen, um ein Lösegeld zu erpressen.

Die befreite Lady sank in die Arme von Lord Jamir und wurde aus der Erdfestung geleitet. Auf dem Rückweg trafen die Helden auf Lord Starkfels, Lord Lurender und Fredick Eichenspahn, die sich mit einem Trupp von Soldaten zur Rettung der entführten Lady aufgemacht hatten. Ein Missverständnis führte dazu, dass Lord Eichenspahn den Verdacht äußerte, Jamir von Starkfels würde der ihm versprochene Lady Silvana den Hof machen. Daraufhin forderte Fredick Genugtuung durch ein Ehren-Duell im Morgengrauen des nächsten Tages.

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Prolog - Der Bund der Naar‘Dramûhr wird neu geschlossen

Plötzlich stehst du in vollständiger Dunkelheit. Kein Lichtstrahl dringt an dein Auge. Das Letzte an das du dich erinnern kannst, ist das übermächtige Verlangen zum verlassenen Bergwerk Stahlkuppe im Osten der Provinz Keranak zu reisen und dort den geheimnisvollen Botschafter zu treffen. Danach verschwimmt deine Erinnerung in einem grauen Nebel. Nun stehst du in einer kleinen Kammer zusammen mit vier weiteren Gestalten. Ihr seid eine nervöse Truppe aus drei Elfen, einem Zwerg und einem menschlichen Ritter.

Niemand spricht als plötzlich ein grünliches Schimmern die Wände der Kammer erleuchtet. Einige Meter vor euch erscheint eine schwarze Wolke in der sechs kleine Lichter glimmen. Neben der Wolke schwebt eine schimmernde Kugel von der Größe eines Wagenrads. In ihrem Inneren wabert ein bunter Dunst, der tausende kleine Lichter umfließt.

Die Wolke spricht mit leiser Stimme: „So schnell sieht man sich wieder. Ihr denkt, ihr kennt mich nicht? Aber der alte Ningaubel hat erst vor wenigen Stunden mit euch, oder vielleicht sollte ich eher sagen, mit euren kosmischen Seelenbrüdern gesprochen. Gerne würde ich mit euch auch noch ein wenig plaudern, jedoch wird meine Aufmerksamkeit anderswo ebenso dringend benötigt.“

Die Wolke hustet kurz und fährt fort: „Ihr seid die Naar‘Dramûhr – ein mächtiger Bund auf dessen Schultern ein großes Schicksal lastet. Gemeinsam mit euren kosmischen Seelenbrüdern und -schwestern warten großen Herausforderungen auf euch. Nehmt die Tafel von Dapi und die Ringe, welche eure Gefährten in der fernen Welt Caera bereits errungen haben. Hier auf Keranak müsst ihr euch ins Tal der Schatten begeben. Findet dort im Herrensitz von Lord Jourdain die schwarzen Perlen der Ordnung. Aber seid auf der Hut, Jourdain leidet unter dem Ennui der Ewigkeit und spielt daher gerne tödliche Spiele.“

„Den Zugang zum Tal der Schatten kennt die Weise Axt von Dul‘Urich, so er euch für würdig betrachtet, wird er ihn euch verraten. Wenn ihr das Tal der Schatten erreicht, werden eure Probleme erst beginnen. Denn ihr werdet kaum eine gefährlichere Gegend in Keranak finden als diesen düsteren Flecken.“

„Dort habt ihr aber auch die Chance eure Fragen von der Herrin des Schicksals beantwortet zu bekommen. Sie bewegt sich außerhalb der Gesetze des Landes und kann über Dinge sprechen, die mir untersagt sind. Sie ist jedoch in all dem Nebel und Schatten nicht leicht zu finden. Wenn sie euch gewogen ist, wird sie euch verraten, was die Zukunft für euch noch bereit hält.“

„Eine Warnung noch: In den Königreichen von Keranak haben eure Gegner große Kraft. Hütet euch vor den Dr…AARGH“. Aus der schwebenden Kugel schießt ein bunter Lichtblitz auf die Wolke und ein schmerzvoller Schrei lässt Ningaubel verstummen. „Autsch, ja ja, ich bin ja schon ruhig, eigentlich bin ich auch gar nicht mehr hier.“ Mit diesen Worten beginnen sich die Wolke und die Kugel langsam vor euren Augen aufzulösen. Im schwächer werdenden grünen Schimmern der Wände seht ihr eine kleine schwarze Tafel und einen blauen, einen gelben, einen schwarzen und einen silbernen Ring auf dem Boden vor euch liegen.

Als ihr aus dem Bergwerksstollen wieder ins Tageslicht tretet hört ihr noch eine schwache Stimme: „Und vergesst mir nicht die Essenz der Schatten mitzubringen wenn wir uns das nächste mal sehen…“.

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Die Weltenwanderer Buch 2: Keranak - Drohende Schatten

Helden
Finn Raziel, Elfische Kundschafterin des Arimira Claav
Lord Jamir Lannatar von Starkfels, Ritter von Keranak
Jurrgir, Elfischer Kampfmagier vom Verlorenen Elfen-Claav
Haldir, Elfischer Fährtenleser des Arimira Claav
Agonifex Maximus, Zwergenpriester aus dem Dul‘Urich Unterreich

Ort
Provinz Keranak, Königreiche von Keranak

Zeit
Jahr 10 nach Verbannung der Krone der Herrschaft
(Silbernes Jahr 1214 nach dem Götterfall)

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