Die Schatten von Keranak

Kapitel 8: Der rote Pfad

Neunundzwanzigster Tag im Monat Sturming des silbernen Jahres 1214 nach dem Götterfall

Nachdem die Gefährten des Bundes der Naar‘Dramûhr die verfluchte Villa verlassen hatten entdeckten sie im Zwielicht des Tals der Schatten ein rotes Leuchten an den Hängen eines fernen Gebirges. Sie beschlossen, in Richtung dieses Leuchtens zu ziehen. Nach zwei Tagen trafen sie in einem Waldgebiet auf ein Vistanilager. Es stellte sich heraus, dass es sich dabei um die selben Vistani handelte, denen sie bereits zuvor nahe der Stadt Benturan in der Provinz Keranak begegnet waren.

Die Helden suchten erneut die alte Madam Eva in ihrem Wohnwagen auf. Sie erkundigte sich nach dem Schicksal der Helden und war irritiert als sie die Aura des Schicksals von Haldir und Finn Raziel betrachtete. Sie sprach von einer Kreuzung der Gunst und war sich sicher, dass irgendetwas nicht richtig sei. Sodann teilte die alte Vistani den Gefährten mit, dass sie Glück hätten, denn der Weg durch die roten Nebel sei unter dem derzeitigen Mond sicherer als sie ursprünglich weis gesagt hatte. Sie warnte jedoch, dass der tödliche Weg nur aufgeschoben sei und die dort lauernden Gefahren weiterhin mit den Pfaden der Gruppe verwoben sei.

Dann teilte sie den Helden mit, was ihre Karten des Lebens über die nähere Zukunft prophezeiten: „Im Schicksal eures Anführers findet ihr Gefahr, aber auch den Weg, um die erste Perle der Ordnung zum leuchten zu bringen.“ In diesem Moment begannen im leeren Panzer einer Schildkröte, die auf Madame Evas Tisch lag, sechs leuchtende Punkte zu tanzen. Der Schildkrötenpanzer begann mit der Stimme von Ningaubel zu sprechen.

Der alte Schwätzer lamentierte zuerst ein wenig darüber, dass er in einer solch entwürdigenden Gestalt vor die Helden treten musste. Dann lobte er sie jedoch für das, was sie bereits erreicht hatten. Er warnte die Abenteurer jedoch auch, dass der feind inzwischen erwacht sei und bereits einen Anschlag auf das Leben der Gruppe versucht hätte. Sie sollten daher wachsam bleiben und besonders auf die Tafel von Dapi acht geben. Diese müssten sie nämlich benutzen und mit ihrer Lebenskraft aktivieren um die Tore für ihren weiteren Weg aufzustoßen. Zum Abschluss fragte er noch, wo denn die Essenz der Schatten sei, die sie ihm bringen sollten.

Bevor die Gefährten den Wohnwagen von Madam Eva wieder verließen, gab sie ihnen noch die folgenden Worte mit auf den Weg: „Verbringt die Nacht in der roten Hütte. Trefft ihr auf dem roten Pfad den Geheimnisvollen, so löst seine Rätsel. Und der unter euch, der die Vielfalt im Glauben akzeptiert und selber gläubig ist, soll die Reliquie an sich nehmen.“

Den Rest des Abends verbachten die Helden am Lagerfeuer der Vistani, wo sich die Elfen nach dem Genuss des selbstgebrannten Schnapses mit Liedern aus ihrer Heimat am fröhlichen Treiben beteiligten – besonders Finn Raziel entdeckte ganz neue Gesangstalente an sich. Währenddessen schloss Lord Lannatar Freundschaft mit ein paar Vistani und tauschte sich mit ihnen über die Fähigkeiten magischer Ringe aus.

In den frühen Morgenstunden brachen die Vistani ihr Lage ab und die Helden zogen weiter in Richtung des rötlichen Leuchtens. Während der Nachtwache wurde die Elfin Finn von drei bestialischen Wölfen angegriffen. Als sie das Alphatier jedoch durch zwei gezielte Bogenschüsse mit Yoshimirs Pfeilen noch im Angriffssprung erlegte, flohen auch die anderen Wölfe.

Am Fuße der Bergkette angekommen, an deren Hang die Helden das rote Leuchten hoch über sich sahen, machten sie sich an den Aufstieg. Nach einem Tag auf dem stetig bergauf verlaufenden Pfad erreichten sie schließlich eine im dichten Nebel liegende Holzhütte, aus deren Fenster ein grelles rotes Licht drang. Im Inneren der einfachen Hütte mit Strohmatten und einer Feuerstelle war jedoch keine Quelle des Leuchtens auszumachen.

Während der Nacht waren zischende Geräusche von außerhalb der Hütte zu hören und der Blick aus den Fenstern heraus war von wirbelnden bunten Lichtern versperrt. Nach einigen Stunden hatten sich die Geräusche und Lichter gelegt. Als die Gefährten aus der Hütte traten wurden sie von dichtem rötlich schimmernden Nebel umgeben. Sie machten sich vorsichtig auf den Abstieg auf dem Pfad, den sie am Vortag heraufgekommen waren.

Nach zwei Stunden schälte sich aus der Felswand zu ihrer linken eine Höhle über der eine silberne Welle in das Gestein eingelassen war. Der in den Fels gehauene Gang führte nach einigen hundert Metern in eine große Höhle, die von einer Vielzahl von Feuerschalen erleuchtet wurde. An den Wänden der Höhle hingen unzählige schimmernde Waffen und Rüstungen. Ein blinder Gnom mit Namen Holteer begrüßte sie und erklärte ihnen, dass er den Helden zwei Rätsel aufgeben würde. Wenn sie diese korrekt beantworten würden, sollten sie die versprochene Belohnung erhalten.

Das erste Rätsel über einen Bauern, seinen Sohn und ihr Pferd auf dem Weg zur nächsten Stadt lösten sie nach einigen Rechnungen korrekt. Das zweite Rätsel über den Wahrheitsgehalt eines Satzes versuchte Lord Lannatar aufgrund seiner Ausbildung zum Gelehrten zu lösen. Da die Gefährten jedoch nicht aufmerksam genug zugehört hatten, gaben sie die falsche Antwort. Der blinde Gnom reichte ihnen daraufhin den Schild der Ordnung, einen großen Körperschild , der auf der Vorderseite neun perlengroße Einbuchtungen mit Verbindungslinien hatte und auf der Rückseite neun lederne Halteschlaufe hatte. Haldir trat hervor und nahm den Schild in Empfang.

Nach dem Verlassen der Höhle setzten die Helden den Abstieg fort. Als sie am Fuße der Berge angekommen waren, löste sich der dichte Nebel auf und Lord Lannatar erkannte schon bald, dass die Reisegruppe sich nur wenige Meilen außerhalb von Burg Starkfels in der Provinz Keranak befanden.

Auf Burg Starkfels wurden sie vom neuen Knappen des Burgherren empfangen, dem muskulösen jungen Alerian, genannt „Der Starkmann“. Alerian war nicht nur Knappe sondern auch Truchsess der Burg. Nach einer längeren Wartezeit wurden die Gefährten schließlich zu Lord Starkfels vorgelassen. Er berichtete, dass die Hochzeit zwischen Silvana Lurender und Fredick Eichenspahn abgesagt wurde, da Lord Eichenspahn überraschend an der Rotschorfpest verstorben sei. Allerdings hätten sich die Beziehungen zum Haus Eichenspahn verschlechtert, da der alte Lord Eichenspahn sich nun in den Kopf gesetzt hätte, Lady Silvana zu heiraten. Dazu hatte er sich von seiner derzeitigen Frau losgesagt und sie in den Kerker seiner Burg werfen lassen. Darüber hinaus hatte es einen Zwischenfall zwischen den Truppen von Starkfels und denen Eichenspahns gegeben, der zu einigen verletzten Soldaten geführt hatte. Der Vater von Lord Lannatar erklärte jedoch, dass der Vater von Lady Silvana weiterhin auf Seiten von Starkfels stünde und sehr unglücklich über die Entwicklung sei.

Danach berichtete Lord Starkfels darüber, dass er sich Sorgen um seine Schwester Valeria von Geissler mache. Die verwitwete Herrscherin des Fürstentums von Geisselgrund antworte nicht mehr auf seine Boten. Da die Starkfels die nächsten Anverwandten und dadurch die nächsten in der Erbfolge seien, sollte Lord Lannatar mit seinen nichtmenschlichen Dienern nach Geisselheim reisen, die Lage klären und einen Bericht schicken.

Nach der achttägigen Reise in das südliche Grenzgebiet von Keranak kamen die Gefährten in die Kleinstadt Geisselheim, wo sie merkwürdige Ereignisse erlebten, die von fast irrsinnigen Bewohnern durchgeführt wurden. So konnten sie einen Kutscher nur mit Mühe daran hindern mit gallopierenden Pferden auf den belebten Marktplatz zu preschen.

Auf der Burg von Fürstin von Geissler erklärte ihnen der Truchsess Javadis, die Herrin würde seit einigen Wochen ein sehr merkwürdiges Verhalten an den Tag legen. Alles hatte begonnen als Pardis, das verwöhnte Pflegekind der Fürstin mit dem Burgmagier Meziar eine kleine Schatulle bei einem Händler auf dem Markt für einen horrenden Preis erstanden hatte. Die Schatulle, die Symbole des Elements Erde auf der Aussenseite aufwies, konnte nur mit magischen Mitteln geöffnet werden. Als Meziar dies gelang, entfuhr ein Wirbelwind aus dem blauen Saphir, der sich im Kästchen befand und umschloss Pardis und Meziar. Die beiden wurden daraufhin ohnmächtig. Nach zwei Tagen riss sich Meziar im Wahn die Augen aus und sprang vom höchsten Turm der Burg. Pardis ist seit diesem Tag verschwunden. Seither scheinen immer mehr Bewohner von Geisselheim dem geheimnisvollen Wahnsinn anheim zu fallen. Auch die Fürstin von Geissler benimmt sich merkwürdig und erlässt die wahnwitzigsten Gesetze.

Als Valeria von Geissler dann auf die Helden traf, zeigte sie sich erfreut wie groß ihr kleiner „Lanni“ schon geworden sei. Nach einigen anzüglichen Bemerkungen ließ sie das Pelzkleid, das sie trug zu Boden fallen, stand nackt vor den Gefährten und forderte Lord Lannatar auf, sie endlich zu bespringen. Weitere Peinlichkeiten wurden allen Beteiligten erspart als sie kurz darauf einen Schwindelanfall erlitt und bewusstlos zu Boden sank.

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Knochenmann

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