Die Schatten von Keranak

Kapitel 6: Durch den Tunnel der Schatten

Siebter Tag im Monat Sturming des silbernen Jahres 1214 nach dem Götterfall

Die Helden berichteten Prinz Dwalin von ihrem Wunsch den geheimen Zugang zum Tal der Schatten nutzen zu dürfen. Er war erstaunt über dieses Anliegen, da es selbst unter den Bewohnern von Dul‘Urich nur eine Handvoll Zwerge gäbe, die von diesem Zugang wüssten. Dieser Gang, Tunnel der Prinz Dwalin überreichte jedem Helden einen Schattenmantel. Diese magischen Umhänge waren vor vielen Jahrhunderten erschaffen worden und von den damaligen Elfen und Zwergen bei ihren Besuchen im Tal der Schatten getragen worden. Die Funktion dieser Mäntel ist jedoch über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten. Dann lies er von seinen Wächtern einen geheimen Eingang unter seinem Thron öffnen. Hinter diesem lag der Tunnel der Schatten, der aber ebenfalls seit Jahrhunderten nicht mehr betreten worden war.

Durch den Abstieg über ein Seil kamen die Gefährten in einen mit Zwergenkunst geschaffenen Gang dessen Steinquader mit güldenen Fugen verarbeitet waren, in regelmäßigen Abständen erleuchteten magische Fackeln den Tunnel. Nach einigen hundert Metern endete der Gang in einem steinernen Portal. Über dem Portal waren die altzwergischen Runen Raff‘Idur eingemeißelt, die „Schmiedender Hammer“ bedeuten. Einen Meter vor dem Durchgang schwebten zwei zwergische Großhammer. Am linken Rahmen des Portals fand sich die zwergische Rune für Rätsel und die Inschrift „Ich bin der Einfall des Feindes!“.

Die Gefährten sprachen ihre Antwort auf die Rätselinschrift, die leider jedoch falsch war, da „Invasion“ die korrekte Antwort gewesen wäre. Daraufhin begannen sich die Wände des Ganges langsam aufeinander zuzubewegen und die beiden schwebenden Schmiedehämmer attackierten die Helden als diese versuchten durch das Portal zu entkommen. Nachdem Agonifex und Lord Lannatar einige schwere Treffer durch die Hämmer einstecken mussten, versuchten sie durch einen Hechtsprung zwischen den Schmiedehämmer vorbeizukommen. Dies gelang dann schließlich allen, die hinter dem Portal in einem mit Lehm ausgekleideten Gang landeten, der hinter ihnen in einer soliden Wand endete. Der Magier Jurrgir bemerkte, dass sie beim Durchgang durch das Portal einen Dimensionssprung über viele Meilen absolviert hatten.

Auch der Lehmgang endete nach einigen hundert Metern vor einem Portal, dessen Rahmen aus dunklem Holz in Form von zwei Bäumen geschnitzt war und über dem die altelfische Rune Inessarud prangte, was „Sonnenauge“ bedeutet. Am rechten Rahmen des Portals fand sich diesmal die elfische Rune für Rätsel und die Inschrift „Ich bin ein Baum, dem Zähne wachsen!“. Nachdem die Helden auch hier nicht die korrekte Antwort „Kiefer“ nannten, lösten sich die beiden Bäume aus dem Rahmen des Portals und verfolgten die Helden nach dem Passieren des Durchgangs. Auf der anderen Seite fanden sie sich in einer sehr großen Höhle wieder, die von einem dichten Wald gefüllt war.

Die beiden Baumhirten des Portals griffen mit ihren langen und spitzen Ästen an. Sie teilten mächtige Treffer aus, bis sie sich plötzlich zurückzogen. Zwischen den Bäumen im Rücken der Helden war ein kleines Mädchen hervorgetreten. Sie war etwas größer als Agonifex, hatte lange braune Haare und eine grünliche Haut, die dem Anschein nach eine blättrige Struktur hatte. Sie nannte sich A‘trelessie und bezeichnete sich als Hüterin des Waldes.

Im Gespräch mit A‘trelessie erfuhren die Gefährten, dass sie schon viele Jahrhunderte diesen unterirdischen Hain bewachte. Sie war dabei als die Fain‘Dramûhr, die sie auch Drachenmagier oder Freunde der Drachen nannte, den Tunnel der Schatten und das Tal der Schatten als keranakisches Paradies für Elfen und Zwerge erschufen. Zwergische Priester von Karis-Mar und elfische Priester von Ray-Lak bannten alle bösen Schatten in diesem Gebiet und wurden zu Dienern dieses Paradieses. Einige Jahrhunderte später kamen noch die Halblinge dazu, die auch Zugang zum Tal der Schatten erhielten. Dann stießen sie in ihrem Tunnelheim auf etwas Geheimnisvolles. Es wurden wichtige Konferenzen der mächtigsten Zwerge und Elfen einberufen. Dann hörte A‘trelessie nichts mehr und plötzlich kamen keine Reisenden mehr durch den Tunnel der Schatten. Die Gefährten waren die ersten Besucher, die sie seit einer sehr langen Zeit zu Gesicht bekam.

Die Helden ruhten sich im Hain der Dryade aus und wurden von ihr dann zum Portal am Ende der Höhle geführt. Dieses Portal schien aus Metall gegossen und stellte große Flammen dar, die an den Pfosten der Öffnung empor züngelten. Über dem Tor war die zwergische Rune Ol‘Pexint, glühendes Erz, eingeritzt. Am Portal war das Rätsel „Ich bin blind und habe doch 21 Augen!“ zu lesen. Als die Helden die korrekte Antwort „Würfel“ genannt hatten, konnten sie unbehelligt durch das Portal schreiten.

Sie kamen in einen kühlen Gang, der nahezu fugenlos aus weißem Marmor gestaltet war. Auch hier befand sich nach einigen hundert Metern ein erneutes Portal, das den elfischen Namen Lifftass trug, was in der Menschensprache „Eisige Luft“ bedeutet. Das hier vorgefundene Rätsel lautete: „Ich bin nass, auch wenn ich trocken bin. Ich werde viel gelesen. Ich werde mit Füßen getreten. Ich bin rot oder weiß.“ Auch dieses Portal konnte die Gruppe durch die Nennung der korrekten Antwort „Wein“ problemlos durchschreiten.

Der Durchgang führte in die große Halle Dramâhr‘oll, die „Halle der Götter“. Hier fanden sich Statuen der alten Götter, wobei sieben von ihnen im Halbrund auf Podesten standen, während die Statuen von Karis-Mar und Ray-Lak etwas abgesetzt im Vordergrund positioniert waren. Ein Podest war leer und der angehende Gelehrte der Gruppe, Lord Lannatar, konnte nach einiger Zeit feststellen, dass die Statue von Eleroth fehlte. Die Gefährten gaben Goldmünzen in die Opferschalen vor den Statuen und begaben sich zum Ausgangsportal aus dieser Halle. Dieses Portal hatte die Form eines riesigen Mundes, der sich bewegte und zu ihnen sprach: „Nennt eure größte Angst und tretet ein!“. Dann blieb er weit offen stehen. Lord Lannatar sagte „Angst, in den Augen meines Vaters zu versagen“, Finn Raziel sagte „Angst, die Heimat nie wieder zu sehen“, Agonifex sagte „Angst, in Ungnade von Karis-Mar zu fallen“, Haldir sagte „Angst vor dem Tod“ und Jurrgir sagte „Angst vor dem Licht“. Damit traten alle durch das letzte Portal des Tunnels der Schatten.

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Knochenmann

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