Die Schatten von Keranak

Kapitel 2: Das Duell im Morgengrauen

Erster Tag im Monat Ernte‘ley des silbernen Jahres 1214 nach dem Götterfall

Im Morgengrauen des nächsten Tages standen sich Lord Jamir Lannatar von Starkfels und Lord Fredick von Eichenspahn zum Duell im frühherbstlichen Nebel gegenüber. Freiherr Arrak Lurender, der Vater Silvanas wurde zum Schiedsrichter des Duells erkoren. Mit Schwert und Schild bewaffnet droschen die beiden unter den Augen von Jamirs Vater und den Soldaten aufeinander ein. Zu Beginn drängte Lord Fredick den zurückhaltend agierenden Jamir mit mächtigen Schlägen zurück. Als Jamir jedoch Fredick mit einem geschickten Manöver entwaffnete, zog dieser einen mit einer klebrigen Paste präparierten Dolch und stach Jamir in den Oberarm, der sofort taub wurde. Daraufhin drosch Jamir mit wütenden Hieben auf Fredick ein und schlug ihn zu Boden. Nur knapp konnte Fredick einem tödlichen Stoß Jamirs ausweichen. Den darauffolgenden Schlägen konnte er jedoch nur noch wenig entgegensetzen und wurde schließlich vom einarmig kämpfenden Jamir bewusstlos geschlagen.

Freiherr Lurender gratulierte Lord Jamir zum Sieg in diesem Duell um die Ehre seiner Tochter. Als der geschlagene Fredick vom Duellplatz geschleppt wurde, näherte sich Lady Silvana noch einmal Jamir und drohte ihm, dass diese ganze Angelegenheit noch ein Nachspiel für ihn haben würde. Freiherr von Starkfels lobte seinen Sohn für den guten Kampf, wies ihn jedoch an, an der Hochzeit von Fredick und Silvana, die in drei Zehntagen am letzten Tag des Monats Ernte‘ley stattfinden sollte, teilzunehmen.

Die Helden beschlossen, sich sofort auf den Weg zum Unterreich von Dul‘Urich zu machen. Das von dem Magier Ollver gestohlene Pferd ersetzten sie durch Lord Fredicks Prachtstute. Finn Raziel machte sich dazu mithilfe eines Zaubertranks unsichtbar und ritt mit dem Pferd von dannen. Die verfolgenden Wachen wurden von ihren Mitstreitern in die Irre geführt. Die Elfin ritt fortan auf der Stute und die beiden Elfen Haldir und Jurrgir teilten sich den Rücken von Finn Raziels Pferd.

So erreichten die Helden nach einem forcierten Tagesritt mit Anbruch der Abenddämmerung das Dorf Moordoth. Diese Siedlung ist als „Dorf der Helden“ in der gesamten Provinz Keranak bekannt. Die Barden singen noch heute Lieder vom heldenhaften Kampf, den die Männer von Moordoth vor fünfzehn Jahren erfolgreich gegen einen Drachen geführt hatten. Heute ist Moordoth ein kleiner Flecken, der von Durchreisenden zur Rast genutzt wird. Die Helden kamen mit den ersten Regenschauern eines heftigen Sturmes an und suchten Schutz im belebten Gasthof des Ortes.

Das Abendmahl wurde jäh unterbrochen als plötzlich die Temperatur im Raum um einige Grad kälter wurde und geisterhafte Erscheinungen auftraten. Mehrere junge Frauen, die einen garstigen grünen Schleim absonderten, erschienen vor dem Tisch der Dorfältesten und schrieen mit schriller Stimme: „Die Hügel rühren sich, Moordoth, und schon bald werdet ihr den Zorn der Bewohner zu spüren bekommen!“ Danach lösten sich die Frauen langsam in Luft auf.

Elwin, der Vorsteher der Dorfältesten, berichtete den Helden, dass die geisterhaften Mädchen in den letzten Tagen häufiger gesichtet wurden und dass drei Dorfbewohner von einer unbekannten Bestie ermordet wurden. Er bat sie, der Sache auf den Grund zu gehen und versprach dafür eine Belohnung von 200 Goldmünzen. Er erzählte vom Mädchenhügel, auf dem vor Jahren der Drache erschlagen wurde, der zwei Stunden Fußweg vom Dorf entfernt lag.

Als Lord Jamir meinte ein Geräusch gehört zu haben und vor das Gasthaus in den Regensturm trat, wurde er von einem leichenhaften, klauenbewehrten Wesen angefallen. Der Ghul schlug ihm seine messerscharfen Klauen ins Genick, woraufhin er gelähmt zu Boden fiel. Glücklicherweise kamen seine Gefährten in dem Moment dazu als der Ghul ihm die Kehle zerbeissen wollte. Agonifex zerteilte das untote Wesen daraufhin mit seiner Großaxt und Jurrgir verbrannte den Leichnam mit seinem magischen Feuer. Auf dem Friedhof stellten sie fest, dass aus zwei Gräbern der drei getöteten Dorfbewohner die Leichen dem Grab entstiegen waren.

Am nächsten Morgen machten sie sich auf den Weg zum Mädchenhügel. Unterwegs trafen sie auf den Schmied Michel Eisenfaust, der seine Frau Anna, die zum Ghul geworden war, in einem Käfig nach Moordoth bringen wollte, um die Bewohner für ihre Niedertracht zu bestrafen. Er behauptete, seine Frau, die früher Schreiberin des Ältestenrats gewesen war, hätte Aufzeichnungen gefunden, welche die moralische Verkommenheit des Dorfes bewiesen hätten. Die Helden konnten ihn überreden, bis zum Sonnenuntergang mit seinen Racheplänen zu warten, damit sie ihm die Unschuld der Dorfbewohner nachweisen könnten.

Nach einer weiteren Begegnung mit einer Wildpferdherde, die von einem irren Goblin in panische Flucht versetzt wurde, erreichten sie den Mädchenhügel. Dort stellten sie fest, dass sich etwas von innen heraus den Weg nach draußen gegraben hatte. Auf dem Hügel erschienen die Geister von sechs Frauen, die an Pfähle gefesselt waren. Sie schrieen vor Angst und verschwanden nach dem Aufflackern eines hellen Blitzes, der von einem an das grummelnde Knurren einer Bestie erinnernden Donner gefolgt wurde.

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Knochenmann

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